Großbritanniens Ruf steht auf dem Spiel

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Johnsons fataler Brexit-Kurs. ALEXANDER WEBER.

Eben noch hat Boris Johnson Chinas Führung scharf gerügt wegen deren Vertragsbruch gegenüber Hongkong, da nimmt er sich einfach ein Beispiel an Peking und macht es beim Austrittsabkommen mit der EU genauso. Nicht nur die früheren Premiers John Major und Theresa May sind entsetzt über den geplanten Vertrauensbruch der britischen Regierung, die Zeitung „Guardian“ warnt gar davor, so sinke das Vereinigte Königreich auf den Status eines Schurkenstaates herab. Auch die Drohung der Chefin des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, London könne ein Freihandelsabkommen mit den USA unter diesen Umständen vergessen, ist sicher keine leere. Schlimmer geht es eigentlich nimmer.

Wieder einmal fragt sich die Welt: Was geht in dem blonden Wuschelkopf dieses Premierministers vor, der bereits im Journalismus an seiner Unseriosität gescheitert ist? Nach rationalen Maßstäben lässt die Faktenlage nur einen Schluss zu: Der Tory-Chef blufft nicht. Er ist an einem Handelsvertrag mit der EU offenbar nicht interessiert, weil er keine Kompromisse eingehen will, sondern an seinem Bild als Befreier Großbritanniens von allen europäischen „Fesseln“ bastelt. Ausgerechnet in der sensiblen Irland-Frage den Bruch zu riskieren und den kurzfristigen Vorteil über den guten Ruf Großbritanniens in der Welt zu stellen, ist das Werk eines verantwortungslosen politischen Hasardeurs. Verlieren werden am Ende alle – in Britannien, in Europa und in Deutschland.

Alexander.Weber@ovb.net

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