Großbritannien hat gewählt Die Botschaft von Freitag, dem 13.

Großbritannien hat gewählt. Die Botschaft von Freitag, dem 13.

ALEXANDER WEBER

Dass das Ergebnis der Unterhauswahl an einem Freitag dem 13. bekannt gegeben wurde, mag manchem als böses Omen erscheinen. Doch für alle Brexit-Anhänger auf der Insel war gestern schon Weihnachten. Und selbst manch proeuropäisch eingestellter Bürger mag insgeheim von der Eindeutigkeit des Resultats getröstet sein. Denn nun ist das nervige, die Gesellschaft spaltende Thema endlich entschieden und im Pub sowie am Familientisch können wieder andere Themen die Oberhand gewinnen. Das ist eine Lehre dieser Wahl.

Eine andere ist das historische Versagen des Oppositionsführers der Labour-Partei. Jeremy Corbyn trägt ein gerüttelt Maß Schuld an Johnsons Triumph. Er trat nicht nur mit einer linken Sektierer-Programmatik vor die Bürger, er blieb in der zentralen Frage dieser Wahlschlacht – Brexit ja oder nein – eine Antwort schuldig. Corbyn begriff nicht, dass dieser Urnengang längst zu einer Art zweitem Referendum umfunktioniert wurde. So war er als Person nie eine echte Alternative zum Premierminister. Es passt ins Bild, dass Corbyn sogar nach diesem Desaster nicht die Einsicht zeigt, sofort alle Ämter niederzulegen. Die Labour-Partei braucht aber an ihrer Spitze unverzüglich einen Neuanfang.

Apropos Neuanfang. In Schottland wirkt das Wahlergebnis als Fanal für einen zweiten Anlauf zur Unabhängigkeit. Und in Nordirland wurden erstmals mehr Nationalisten als Unionisten gewählt. Was viele befürchtet haben, beginnt einzutreten: die zersetzende Kraft des Brexits für den Zusammenhalt im (noch) Vereinigten Königreich.

Alexander.Weber@ovb.net

Kommentare