Die Grenze überschritten

Der Lobbyist Amthor. MARCUS MÄCKLER.

Das Wort allein löst düstere Assoziationen aus, dabei ist Lobbyarbeit per se nichts Verwerfliches. Interessen von außen in die Politik zu tragen, ist legitim und bisweilen sogar nützlich, um die oft starren Scheuklappen der Entscheider zu lockern – etwa in der Umweltpolitik. Die Frage ist, wann die Grenze zur dubiosen Machenschaft erreicht ist. Der Fall Philipp Amthor führt vor, wo sie verläuft.

Es wäre nichts dabei gewesen, hätte der 27-Jährige einfach nur den Kontakt zwischen einem vielversprechenden US-Start up und der Bundesregierung hergestellt, die zweifelsohne Nachhilfe in Sachen Künstlicher Intelligenz gebrauchen kann. Abgeordnete dürfen, ja, sie sollen Vermittler von Expertise sein. Dass Amthor offenbar ohne mit der Wimper zu zucken zugriff, als ihm die Firma im Gegenzug Aktienoptionen und einen Direktorenposten anbot, rückt ihn aber in den Verdacht, käuflich zu sein – nicht zu Unrecht. Da hilft auch die Behauptung aus Unions-Kreisen nichts, Amthor sei halt noch jung. Als Jurist wusste er, was er tut. Die Einsicht kam spät und – wie oft in solchen Fällen – nur zögerlich. Dass er nun auf die Kandidatur für den Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern verzichtet, ist richtig für die Partei, die einen Chef mit dieser Hypothek nicht gebrauchen kann, und richtig für ihn. Wie Amthors Karriere nun weiter verläuft, hängt davon ab, wie sehr er an der Aufklärung seines Falles mitarbeitet. An Zeit mangelt es ihm nicht. Er ist ja noch jung.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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