Götterdämmerung für Lukaschenko?

Wahl in Weißrussland. ALEXANDER WEBER.

Götterdämmerung für den „letzten Diktator“ Europas? Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko weiß zwar, wie man Wahlen gewinnt. Etwa Wahlbeteiligungen über 100 Prozent in manchen Stimmlokalen, tagelang unbewachte Urnen oder ein ungewöhnlich hoher Anteil an Stimmzetteln per Briefwahl. Vor allem keine unabhängigen ausländischen Wahlbeobachter, die deren Echtheit prüfen. Und dennoch muss der seit einem Vierteljahrhundert mit eiserner Faust regierende Lukaschenko fürchten, dass sein 80-Prozent-Sieg das Papier nicht wert sein könnte, auf dem er vermeldet wurde.

Es gibt ein untrügliches Zeichen für die Zeitenwende in Diktaturen. Wenn der Frust und das Leid der Menschen größer ist als die Angst vor den Repressalien des Systems, und sich die Bürger zu Zehntausenden bei Demonstrationen auf den Straßen versammeln, obwohl sie mit massiven Polizeieinsätzen und Verhaftungen rechnen müssen. Dann ist der gesellschaftliche Kulminationspunkt erreicht, um Wechsel einzuläuten. Das konnte man vor dreißig Jahren bereits mustergültig in der DDR beobachten.

Damals wie heute hängt das weitere Schicksal des Landes jedoch auch von Moskau ab. Damals gab Gorbatschow den Weg zu Reformen frei. Heute hat Kreml-Herr Putin kein Interesse an einem freiheitlichen System in seinem Vorhof zum Westen. Das ist das größte Hindernis für Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.

Alexander.Weber@ovb.net

Kommentare