Gipfel zur Einwanderung Fachkräfte holen?

Gipfel zur Einwanderung. Fachkräfte holen? Sie sind schon da!

KLAUS RIMPEL

„Wir riefen Arbeitskräfte – und es kamen Menschen“: Dieses Zitat von Max Frisch aus dem Jahr 1965 sollten wir im Hinterkopf haben, wenn jetzt darüber diskutiert wird, dass Philippiner unsere Pflegeheime vor dem Kollaps bewahren oder Mexikaner unseren Wohnungsbau am Laufen halten sollen.

Für die Wirtschaft mag es die bequemste Lösung sein, passgenau die Traumfachkraft auf dem weltweiten Markt zu suchen. Aber für unsere Gesellschaft ist es besser, wenn die, die schon da sind, qualifiziert werden – sprich: In Deutschland lebende Flüchtlinge sollten aus dem Asylsystem in die Fachkräftezuwanderung wechseln dürfen. Dann wäre endlich Schluss mit dem Skandal, dass immer wieder Bäcker oder Autowerkstätten kämpfen müssen, um ihren abgeschobenen Mitarbeiter zurückzuholen. Eine anständige Arbeit ist der entscheidende Schlüssel zur Integration: Eine Arbeitsstelle ist nicht nur zum Geldverdienen da, sondern ist auch der Ort, wo der tunesische Muslim den deutschen Christen kennenlernt, wo nicht nur Sprache geschult wird, sondern auch Freundschaften entstehen können.

Während kleine Unternehmen hier große Leistungen für die Integration erbringen, hapert es zunehmend gerade bei den Aktienkonzernen: Mittelständler haben in den letzten zehn Jahren 17 Prozent mehr ausgebildet – unsere börsennotierten Unternehmen reduzierten die Zahl der Ausbildungsplätze um neun Prozent. Da darf sich dann keiner wundern, wenn Fachkräfte fehlen.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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