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Europas Tempo bei den Corona-Impfungen: Geschwindigkeit rettet Leben

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  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Die Impfung kam nur ein paar Tage zu spät, nun sind reihenweise Menschen gestorben, ehe die Dosis wirkte. Die tragische Entwicklung in einem Pflegeheim nahe Miesbach erinnert daran: Es geht jeden Tag um Leben und Tod bei der Frage, wie weise und schnell die EU und die Nationalstaaten Impfstoff bestellt haben.

Es geht nicht um Wahlkampf-Tralala oder ablenkende Debatten über die im Kern ja richtige EU-Koordination. In aller Klarheit: Dass Europa später und zögerlicher bestellt hat, vor allem bei Biontech, und dass dieses Unternehmen zu spät seine Produktion massiv hochfährt, kostet Menschenleben.

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Das Handeln in Brüssel und Berlin seither deutet darauf hin: Der Fehler wird zwar nicht eingeräumt, aber ist erkannt und soll langfristig ausgemerzt werden. Gut so, denn ein Rückstand gegenüber anderen Ländern wird über Monate brisant bleiben. Der medizinische Nachteil wird im Frühjahr ergänzt durch wirtschaftliche Unwuchten: Wer langsamer durchimpft, wird später und schwächer aus der Krise kommen. Falls Europa im harten Lockdown kauert, wenn die USA hochfahren, verschiebt das wirtschaftliche Gewichte in zigfacher Milliarden-Höhe.

Innenpolitisch kommt auf die Bundesregierung enormer Druck aus der bisher kreuzbraven Mitte des Landes zu. Die Erwartungshaltung ist, dass bis Sommer – Minister Spahn sprach vom 2. Quartal – ein Impf-Angebot für jeden da ist. Die neuen Merkel-Äußerungen wabern Richtung Herbst. Das wäre unklug. Im September ist Wahl.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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