Geld für Thomas-Cook-Opfer Eine ärgerliche Hilfsaktion

Geld für Thomas-Cook-Opfer. Eine ärgerliche Hilfsaktion .

KLAUS RIMPEL

Zunächst ist es ja erfreulich, dass die Thomas-Cook-Kunden nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben sollen. Nach früheren Pleiten in der Branche, etwa von Öger Tours, hatte die Politik ja wiederholt versprochen, dass der Verbraucherschutz für Pauschalreisende verbessert werden muss – und niemand fürchten soll, dass er am Ende auf einer Urlauber-Insel oder auf den Kosten festsitzt.

Nur: Dass nun die Steuerzahler und nicht die Versicherer einen großen Teil der Pleite-Last schultern, ist ärgerlich. Der Staat hilft ja weniger aus Nächstenliebe zum armen Verbraucher, sondern, weil er fürchten muss, bei drohenden Rechtsstreitigkeiten zu verlieren. Längst hatten sich nämlich Anwälte in Stellung gebracht, die darauf verweisen, dass die EU-Richtlinie zum Schutz von Pauschalreisenden nicht korrekt umgesetzt wurde. Denn die EU fordert, „vollumfänglichen Schutz“ zu bieten – Berlin deckelte die Haftung aber bei 110 Millionen.

Es ist naheliegend, dass die Verwässerung des Verbraucherschutzes für Reisende das Ergebnis effektiver Lobby-Arbeit war und nicht pure Schlamperei. Wir Steuerzahler müssen nun die Zeche für politische Nachgiebigkeit gegenüber der Reise- und Versicherungsbranche begleichen. Hier zeigt sich einmal mehr: Das beliebte Spiel nationaler Politik, den Schwarzen Peter nach Brüssel zu spielen, funktioniert immer weniger. Denn bei Themen wie dem Verbraucherschutz ist die EU-Ebene oft konsequenter und klarer als unsere Bundesregierung.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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