Kommentar

Coronahilfen werden ausgeweitet: Geld gegen die Wutwelle

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GEORG ANASTASIADIS

Akute Gefahren gehen in Deutschland aktuell nicht nur von der zweiten Corona-Infektionswelle aus. Brisant könnte für die Bundesregierung im Vorwahljahr auch die Wutwelle werden, die sich gerade bei Hoteliers und Wirten aufbaut – Stichwort Beherbergungsverbot und Sperrstunde.

Die unerwartet heftigen Proteste dagegen haben die Politik überrascht. Die Sorge ist berechtigt, dass die Existenzängste in dieser Branche wie ein Katalysator wirken und den Widerstand in breiter werdenden Bevölkerungsschichten gegen schärfere Coronamaßnahmen noch befeuern.

Kein schnelles Ende der Durststrecke

Der Vorstoß des Bundeswirtschaftsministers, die Corona-Hilfen so umzugestalten, dass Selbstständige künftig neben Überbrückungshilfen für betriebliche Fixkosten auch einen „Unternehmerlohn“ aus der Staatskasse erhalten können, ist aus Sicht von CDU, CSU und SPD also nicht uneigennützig. Trotzdem ist er richtig. Die finanziellen Reserven vieler Betroffener sind nach bald acht Monaten Coronakrise erschöpft. Beträchtliche Teile des Mittelstandes in Hartz IV abrutschen zu lassen, ist keine sinnvolle Handlungsoption. Zumal, darauf weist das Herbstgutachten der fünf Wirtschaftsforschungsinstitute hin, wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende der Durststrecke besteht.

Zwar hat sich die Wirtschaft nach dem lockdownbedingten Einbruch im zweiten Quartal wieder rasch und kräftig erholt. Manche Branchen aber , vor allem die Gastronomie und der Tourismus, stehen weiter vor gewaltigen Problemen, solange die kontaktbeschränkenden Maßnahmen in Kraft bleiben. Noch akuter  als die Sorge um die Gesundheit ist für die Menschen dort die Angst um die Existenz.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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