Kommentar: Und was, wenn die Maskenpflicht das Geheimnis des Erfolges ist? 

Debatte um Maskenpflicht. MIKE SCHIER.

Lange hatte sich die Schweiz gewehrt. Die Regierung empfahl ihren Bürgern zwar, im öffentlichen Nahverkehr zumindest in Stoßzeiten eine Maske zu tragen. Eine Pflicht lehnte man ab. Das Problem: Die wenigsten hielten sich an Empfehlungen. Weil es nun immer mehr Neuinfektionen gab, ist Schluss mit der Freiheit: Seit gestern gilt auch in der Schweiz die Maskenpflicht im ÖPNV.

Vermutlich verfolgt man im Nachbarland mit einer Mischung aus Interesse und Erstaunen, dass hierzulande die Debatte genau anders herum Fahrt aufnimmt. Abgesehen von einzelnen Hotspots ist das Infektionsrisiko in Deutschland relativ gering. Trotz voller Biergärten. Trotz Öffnung der Schulen. Trotz geringerer Abstandsregeln im Einzelhandel. Trotz geöffneter Fitnessstudios. Es muss also irgendein Geheimnis für diesen Erfolg geben. Vieles spricht dafür, dass es sich a) ums Abstandhalten und b) die Bedeckung von Mund und Nase handelt. So nervig Masken im Alltag gerade bei heißen Temperaturen sein mögen – es wäre sehr gewagt, die gute Entwicklung und die erfreuliche Normalisierung unseres Alltags leichtfertig zu riskieren. Es gilt, vorsichtig zu bleiben.

Als mahnendes Beispiel für allzu Mutige in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen oder Niedersachsen dienen die USA. Dort ist die Maske in einem absurden Streit zum Symbol persönlicher Freiheit mutiert. Die Folge: Die Infektionszahlen schießen durch die Decke. Texas zum Beispiel zählt pro 100 000 Einwohner schon 690 Infizierte, Bayern 372. Und die Diskrepanz wächst. Der sonst Trump-treue republikanische Gouverneur hat nun eine Kehrtwende hingelegt und eine Maskenpflicht eingeführt. Manchmal kommt die Einsicht eben später . . .

Mike.Schier@ovb.net

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