Gefangenenaustausch Segen und Fluch in der Ukraine

Gefangenenaustausch. Segen und Fluch in der Ukraine .

BERND KREUELS

Ein humanitärer Fortschritt und ein Segen ist der zweite Austausch von wohl 200 Gefangenen innerhalb kurzer Zeit in dem seit 2014 – teilweise völlig unbemerkt – auf europäischem Boden tobenden Krieg in der Ukraine. Insbesondere für Präsident Selenskyj ist es ein Erfolg, weil er sein Wahlversprechen einlösen kann. Wladimir Putin hat dem Kontrahenten ein Zuckerl hingeworfen, das die Russen nichts kostet, weil es nicht um Substanzielles geht.

Denn die Geste darf in keiner Weise über die bittere Realität hinwegtäuschen: 13 000 Tote in der Ost-Ukraine, hunderttausende Binnenflüchtlinge, ständige Gefechte und die völkerrechtswidrige Okkupation der Krim mit einer Unterdrückung Andersdenkender wie zu Sowjetzeiten. Darunter leiden vor allem die schon unter stalinistischem Terror drangsalierten Krimtataren. Weder dort noch in dem von Separatisten besetzten Donbass besteht, solange der Langzeitherrscher im Kreml sitzt, der Hauch einer Chance auf ein Ende des Willkürregimes. Das Schlimmste für das 44-Millionen-Volk bleibt aber die fortwährende Destabilisierung durch Moskau. Und die Verwirklichung aller Punkte des Minsker Abkommens liegt in weiter Ferne.

Bernd.Kreuels@ovb.net

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