Kommentar

Corona-Gipfel bei Merkel: Gefährliches Auseinanderdriften

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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Unter lautem Murren und Ächzen haben sich die Ministerpräsidenten nach Berlin bequemt. Ist sicher nicht schön, sich so herbeizitieren zu lassen: von der Kanzlerin, vom Hotspot-Chaos-Berliner Müller und vom Bayern-Besserwisser Söder.

Trotzdem ist eine bessere Absprache überfällig. Es schadet allen, wenn die Corona-Politik der Länder so stark auseinanderdriftet – wenn sich manche Nord- und Ost-Regenten extra-lax gerieren, und wenn einer im Süden, der im Grunde sehr Recht hat mit seiner Vorsicht, dann extra-wuchtige Maßnahmen entgegensetzt, die nicht mehr die breite Akzeptanz finden.

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Hoffentlich nicht zu spät

In der Summe, auf dem Papier zumindest, nähern sich die Länder einer moderat vorsichtigen Linie an. Hoffentlich nicht zu spät und zu schwach. Die Auflösung des lokalen Regel-Wirrwarrs ist ja nicht so schwer. Es braucht bundesweite Standards bei hohen, schnell steigenden Infektionszahlen. Jeder Bürger, jeder Betrieb muss sich an diesen Grenzwerten orientieren können, kein überforderter Regionalpolitiker darf sich davor wegducken. Gleichzeitig muss jede Maßnahme so lokal wie möglich umgesetzt werden. Wenn in Fürstenfeldbruck die Fälle anwachsen, muss Flensburg nicht deswegen Maske tragen.

War’s das, Problem gelöst? Leider nein. Die Regeln werden sich wie die Lage noch mehrfach ändern. Und: Die Infektionen steigen aktuell in zwei Bereichen – (Groß-)Familienfeiern und die Partyszene –, die der Staat mit Regeln und Worten allein nicht mehr erreicht. Es braucht auch einen konsequenten Vollzug. Das stundenlange Ringen in Berlin lässt zweifeln, ob das alle kapiert haben.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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