Gefährliche Schlamperei

Verzögerte Corona-Tests. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Seit Ischgl weiß die Welt, welch großer Risikofaktor Rückreisende sind. Für unser Land hängt viel von den Tests an Grenzen, Flughäfen und Bahnhöfen ab. Spät, eigentlich zu spät, wurde das Angebot im Juli hochgefahren und am Samstag vom Bund die Testpflicht erlassen. Wenn es nun schon nach dem ersten Wochenende erhebliche Mängel gibt, ist das verheerend. Es kann und darf in einer Krise dieses Ausmaßes nicht sein, dass offenbar zahlreiche Test-Ergebnisse verschlampt werden.

Medizinisch kann sich das hochgefährlich auswirken – wer infiziert ist, aber es nicht oder erst viel später erfährt, steckt in der Zwischenzeit wohl weitere Menschen an. Für die Betroffenen ist die Warterei auf Ergebnis und Ansprechpartner quälend, formal müssten viele ja die Zeit in Quarantäne verbringen. Und vor allem bei der Einreise auf dem Landweg und aus Gebieten mit geringerem Risiko wird die Test-Trödelei die Motivation senken, wirklich zum Abstrich anzutreten.

Die Politik, gerade in Bayern, hat in der erfolgreichen Eindämmung der Pandemie sehr viel richtig gemacht, das hat Leben gerettet. Umso ärgerlicher wäre es, wenn sich die Schlamperei mit den Ergebnissen ausgerechnet im Freistaat zum Test-Chaos auswächst. Markus Söder persönlich hat Garantien ausgesprochen – Tests für jeden, schnellere Ergebnisse als in allen anderen Ländern, ein markiges 24-Stunden-Versprechen. Gilt das noch? Am Geld fehlt’s wahrlich nicht angesichts der eingesetzten Milliarden, an der klaren Zielvorgabe auch nicht. Söder muss sehr viel daran liegen, dass beteiligte Gesundheitsbehörden und Firmen die Test-Probleme lokalisieren und schnell, besser sofort, in den Griff bekommen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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