Geduld – und kein Schnellschuss

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Söder und die Fan-Rückkehr. HANNA RAIF.

Dass ein paar Zuschauer ausreichen, um ein Geister-Stadion in eine echte Fußball-Arena zu verwandeln, hat das Champions-League-Endspiel vor drei Wochen gezeigt. Die Delegation des FC Bayern, nicht mal 40 Mann, peitschte das Team lautstark zum Triple. Und die TV-Zuschauer freuten sich über: Akustik fast wie früher.

Inzwischen sind Fans in Stadien einiger Regionen der Republik wieder Teil des Spiels. Zum Bundesliga-Auftakt planen aktuell Leipzig, Bremen, Berlin und Frankfurt mit Zuschauern, weil die regionalen Infektionszahlen das zulassen. Anders als in Bayern. Und doch beugt sich Markus Söder dem Druck nach einer bundesweit einheitlichen Lösung und denkt öffentlich über einen „Probebetrieb“ nach. Für den bayerischen Ministerpräsidenten ist das fast schon ein Quantensprung. Aber er wäre gut beraten, auch weiterhin vorsichtig zu bleiben.

Beim FC Bayern sind die Pläne freilich längst bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, auch der Rest wäre sofort bereit. Gibt es heute grünes Licht, wird es ganz schnell gehen. Ein Start mit rund 5000 Fans wäre denkbar. Und das in Zeiten, in denen sich die 7-Tage-Inzidenz in München knapp unter dem kritischen Wert 50 bewegt. Und die Nachbarländer die Wucht der zweiten Welle spüren.

Ohne Frage: Fußball mit Fans macht allen mehr Spaß. Aber es macht zum Beispiel Familien auch mehr Spaß, einen geregelten Alltag zu haben – anstatt Abend für Abend zu hoffen, dass Kita oder Schule am nächsten Tag noch für alle geöffnet sind. Ein Schnellschuss inmitten der Nach-Sommerferien-Wehen wäre ein fatales Zeichen. So nervig es ist: Ein paar Wochen lang sollten in Bayern noch die Vereins-Mitarbeiter auf der Tribüne brüllen – und sich Fans wie Clubs in Geduld üben.

Hanna.Raif@ovb.net

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