Gagen für freie Künstler Ein Kulturstaat duckt sich weg

Gagen für freie Künstler. Ein Kulturstaat duckt sich weg .

MARKUS THIEL

Gleich zur Klarstellung: Um die kleinen, oft privaten Theater, um jene Häuser, die derzeit um ihre Existenz bangen, geht es hier nicht. Sondern um jene Bühnen, gut ausgestattet von staatlichen oder kommunalen Trägern, die in den Corona-Zwangsschlaf versetzt wurden. Um jene Häuser also, die gern betonen: Gagen für Gastkünstler, die würden doch nur einen überraschend geringen Teil ihres Haushalts einnehmen.

Umso erstaunlicher und unwürdiger für diese Institutionen ist, wie sie sich hinter dem Rechtsbegriff der „höheren Gewalt“ verschanzen – der ohnehin immer fragwürdiger wird, je länger der Lockdown dauert. Als ob es nicht selbstverständlich wäre, freien Solisten für ausgefallene Vorstellungen zumindest einen Teil der Gagen zu erstatten. Deren Arbeit beginnt schließlich nicht mit dem Heben und endet nicht mit dem Fallen des Vorhangs. Sie haben in eine zum Teil monatelange Vorbereitungsarbeit investiert und auch, bei Engagements in fremden Städten, in Unterkünfte und andere Lebenshaltungskosten.

Besonders unehrenhaft ist es, wie sich der Freistaat Bayern, laut Artikel 3 seiner Verfassung ein Kulturstaat und laut seiner Repräsentanten so gern Vorreiter, um eine Lösung herumdrückt. Die meisten Häuser könnten ohne freie Künstler nicht existieren. Denen gebühren folglich keine Almosen, sondern Fort- und Ersatzzahlungen, wie sie in anderen Berufszweigen üblich sind.

Markus.Thiel@ovb.net

Kommentare