Meinung

Die Frauenquote in Vorständen ist leider bitter notwendig

Kathrin Braun
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Kathrin Braun

Ohne Frauenquote in Vorständen kommt die Gleichberechtigung zu langsam voran

Das Paradoxe an der Frauenquote: Sie gibt Frauen oftmals erst das Gefühl, diskriminiert zu werden. Keine Frau will ihre Position einem Gesetz verdanken. Keine Frau will im Vorstand eines Unternehmens sitzen, nur weil sich die Koalition nach langem Streit endlich auf eine verbindliche Quote geeinigt hat.

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Natürlich wollen Frauen einfach nur aufgrund ihrer Leistung beurteilt werden. Es reicht aber ein kurzer Blick auf die Faktenlage, um zu erkennen: Ohne eine Frauenquote bleibt das ein Wunschgedanke.

Zahl der Frauen in Vorständen von DAX-Unternehmen gesunken

In den Vorständen der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen ist laut dem Institut für Wirtschaftsforschung nicht mal jeder zehnte Posten mit einer Frau besetzt. Schlimmer noch: Der Anteil in Dax-Vorständen sank im vergangenen Jahr sogar. Hier hingegen eine ermutigende Zahl: In Aufsichtsräten liegt der Frauenanteil bei etwa einem Drittel. Der Grund: Hier gilt bereits seit 2016 eine verpflichtende Quote von 30 Prozent.

Klar ist: Die Quote wirkt. Klar ist auch: Freiwillig machen Unternehmen diesen Fortschritt nicht. Die unverbindliche Variante, sich Zielmarken zu setzen, ist seit 2016 gescheitert. Deshalb ist jetzt ein politischer Eingriff gerechtfertigt.

Natürlich wäre es wünschenswert, wenn man die betonierten Rollenbilder zulasten der Frau aufbrechen könnte. Das ist mit einer modernen Familien- und Bildungspolitik machbar – und das sollte auch das langfristige Ziel sein. Ohne eine Frauenquote ist der Weg aber zu lang. Sie ist bitter notwendig – allein, weil sie Chancen für weibliche Vorbilder schafft.

Schreiben Sie der Autorin: Politik@ovb.net

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