Asyl-Lagebericht: Flucht aus der Fluchtburg Türkei

KLAUS RIMPEL
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KLAUS RIMPEL

Die ganze Fragwürdigkeit des Flüchtlings-Deals mit der Türkei entlarvt sich in den Zahlen.

Fast 10 800 Türken beantragten im vergangenen Jahr Asyl in Deutschland, fast jeder zweite Antragsteller bekam den Schutz auch gewährt. Das heißt: Das Land, das uns Flüchtlinge vom Hals halten soll, ist längst selbst einer der Staaten, der seine Bürger derart drangsaliert, dass sie bei uns Schutz suchen. Diese Situation droht sich durch den wieder entflammten Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan weiter zu verschlimmern.

Schon gibt es Demonstrationen türkischer Nationalisten in den Armenier-Vierteln Istanbuls. Recep Tayyip Erdogan hat den Feldzug der Aserbaidschaner zur Eroberung der armenischen Enklave Berg-Karabach mit angeheizt. Ziemlich unverhohlen mischt Erdogans Militär an der Seite des aserbaidschanischen „Brudervolks“ bei dem gewalttätigen Konflikt mit.

Die türkische Einmischung in die Auseinandersetzung der beiden Ex-Sowjetrepubliken ist ein weiteres Beispiel für Erdogans Machtanspruch über die Grenzen der Türkei hinaus. Je mehr Erdogan innenpolitisch wegen der schwächelnden Wirtschaft unter Druck gerät, umso stärker setzt er auf die nationalistische Karte und präsentiert sich als Führer aller Turkvölker oder gar aller sunnitischen Muslime. So verstärkt er die Instabilität der Region – und verantwortet neue Flüchtlingsströme.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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