Festnahmen in Ibiza-Affäre Mit Straches Sturz ist es nicht getan

Festnahmen in Ibiza-Affäre. Mit Straches Sturz ist es nicht getan .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Zeit heilt viele Wunden. Manchmal vernebelt sie aber auch die Erinnerung. Das droht verwechselt zu werden mit wachsendem Abstand zur Ibiza-Affäre in Österreich. Nein: Heinz-Christian Strache ist kein unschuldiges Opfer, dem in einer unvermeidbaren Falle die Worte im Mund umgedreht werden. Er stürzte auch nicht über trunkenes Macho-Gehabe. Vielmehr disqualifiziert sich der Ex-Vizekanzler für jedes öffentliche Amt mit seiner Bereitschaft, alle Werte der Demokratie für ein paar Wählerstimmen und einen Haufen Geld zu verschachern. Er wurde demaskiert, und das ist gut so.

Trotzdem ist der Rechtsstaat mit der Affäre noch längst nicht fertig. Die Justiz muss Macher und Auftraggeber der Aufnahmen ermitteln. Da geht es nicht um Rache für Strache, auch wenn sich das der Ex-FPÖ-Chef gerne so hindrehen würde, sondern um die Durchsetzung des Rechts, das mit der Videofalle gebrochen wurde. Auch in dieser Richtung wäre eine Verklärung pervers: Es waren eben nicht edle anonyme Helden, die die Republik von Strache befreiten. Sondern vermutlich Berufskriminelle mit noch unbekannten Hintermännern, die Vorteile aus der Affäre ziehen wollten. Das rechtsstaatlich aufzuarbeiten, beugt weiteren Verschwörungstheorien vor.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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