Ferienstart daheim Bayern erlebt eine entscheidende Woche

Ferienstart daheim. Bayern erlebt eine entscheidende Woche .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Freiheitsentzug schmerzt. Die Mehrheit von uns hatte nicht geplant, das in ihrem Leben selbst zu erproben. Doch schon jetzt, wo erst Woche drei der Ausgangsbeschränkungen beginnt, fällt die Disziplin schwer. Gleich mehrere Faktoren nagen an der Moral: das strahlende Frühlingswetter zum Ferienbeginn, wachsende Sehnsucht nach Familie und Freunden, soziale Spannungen auf engem Raum in Wohnungen, und vor allem die Zahlen. Die Neuinfektionen, weil um zwei Wochen verzögert, lassen noch keinen Erfolg erkennen. Die Totenzahlen sind, auch wenn das zynisch klingt, noch nicht so exorbitant, dass sie das ganze Land in den Bann ziehen.

Bisher hat der Shutdown im privaten Raum vor allem auf Basis von Vernunft funktioniert, selten mit Sanktionen. Das macht Mut. Das Wochenende lief vorbildlich. Diese Woche wird das sicher auf die Probe gestellt. Der Raus-Reflex steigt. Dabei kommt es rechnerisch sehr auf diese Tage an, ob unser Land Anfang Mai wieder hochfahren kann. Neuinfektionen von jetzt bis Mitte April sorgen zwei Wochen später, wenn also gerade über die Exit-Strategie geredet werden soll, für Sprünge in der Statistik.

Ja, das ist alles mühselig. Bayern hat zwar das Glück, als erstes Land gehandelt zu haben, die Politik machte nur wenige Fehler; aber das Pech, besonders viele infizierte Heimkehrer aus Österreich und Italien abbekommen zu haben. Wer sehr genau hinschaut, kann einen Exit-Weg erahnen: örtlich Masken-Vorgabe, schrittweise Öffnung erster Branchen, Abstandsregeln und Türsteher in Geschäften, stufenweise Hochfahren der Schulen. Das ist das Ziel; die härteste Teilstrecke liegt aber noch vor uns.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Kommentare