Ferdinand Piëch und der Wandel Rückblick auf das, was verloren geht

Ferdinand Piëch und der Wandel. Rückblick auf das, was verloren geht .

MARTIN PREM

Er war eine der bestimmenden Persönlichkeiten der deutschen Autoindustrie. Und es dürfte ganz wenige geben, die im historischen Rückblick mit Ferdinand Piëch auf Augenhöhe stehen. Der Manager, der Audi geprägt und VW gerettet hat, ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Piëch hatte sich vor vier Jahren aus einer Rolle als äußerst aktiver Aufsichtsratsvorsitzender zurückgezogen, und man konnte schon vorher den Eindruck gewinnen, dass das sich rapide verändernde Umfeld nicht mehr seine Welt war. Die Automobiltechnik hat sich gewandelt. Sie ist nicht mehr mit der vergleichbar, die Piëch mitgestaltet hat. Und sie wird es morgen noch viel weniger sein.

Es ging in der Antriebstechnik bisher darum, wie man gespeicherte chemische Energie in Bewegung umwandelt. Und darum, wie man, in einem faszinierenden Zusammenspiel von mechanischen Bauteilen, möglichst viel davon auf die Räder bringt. Darin war Piëch ein Meister.

Doch das gibt es bald nicht mehr. Wir haben eine Batterie. Wir haben Motoren möglichst nah an den Rädern. Und dazwischen eine Steuerelektronik, die alles andere erledigt. Da findet keine faszinierende Kraftübertragung statt. Die Steuerung besteht letztlich aus Milliarden Schaltern, die nur zwei Dinge können: Sie lassen Strom fließen oder nicht. Nur die schiere Menge und die unvorstellbare Geschwindigkeit ermöglicht Komplexität.

Die Digitalisierung ist unumkehrbar. Es wäre Torheit, sich ihr entgegenzustellen. Doch es wäre angebracht, ab und zu innezuhalten und – vielleicht beim Blick auf ein uraltes Uhrwerk – darüber nachzudenken, welcher unermessliche Schatz an menschlicher Geistesleistung aus der analogen Welt dabei in Vergessenheit gerät.

Martin.Prem@ovb.net

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