Feiern wir die ganze Familie

Vatertag. MARCUS MÄCKLER.

Jedes Jahr das Gleiche: Wir feiern die sorgenden Mütter, als wäre noch 1950, und schieben dann verschämt einen halben Ehrentag für die Väter hinterher. Damit die auch was haben und sich, wie das Kerle in der Freizeit seit Anbeginn der Zeiten so tun, heillos betrinken können. Merken Sie was? Die Rollenbilder, die wir da Jahr für Jahr zelebrieren, sind ziemlich aus der Zeit gefallen. Dabei böte dieses Corona-Jahr die Chance, neu zu denken.

Zuletzt ist viel über die Belastung der Mütter in der Krise geschrieben worden. Die ist zweifelsohne groß, aber was stets mitklang, war der Verdacht, dass die Krise den Vätern so gar nichts abverlangt. Lassen Sie mich mal ganz persönlich für meinen Freundeskreis und mich selbst sprechen: Das ist Unsinn. Viele Männer sind im Moment so präsent in ihren Familien wie nie zuvor. Sie verbringen Zeit mit ihren Kindern, schmieren Frühstücksbrote, wischen Saft von Fußböden, spielen Duplo, schubsen Schaukeln, lesen ein und dasselbe Buch auch noch zum achten Mal vor. Sie halten ihren erwerbstätigen Frauen für einen Teil des Tages den Rücken frei, um dann selbst bis spät abends zu arbeiten. Dabei schlucken sie nicht selten die Sorge um den eigenen Job herunter.

Sie tun das alles, weil es normal und richtig ist. Väter stehen in der Corona-Zeit nicht unbeteiligt neben ihren Familien, sie wachsen tiefer in sie hinein. Das ist so erfüllend wie anstrengend, es ist, wie es in modernen Familien eben ist. Genau das sollten wir am Vatertag feiern, gerne auch mit einem Bier – und dem nötigen Abstand.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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