FDP-Kurs in Erfurt Lindners zweiter großer Fehler ALEXANDER WEBER

FDP-Kurs in Erfurt. Lindners zweiter großer Fehler.

ALEXANDER WEBER

„Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“, begründete Christian Lindner einst den Rückzug der FDP aus den Verhandlungen über eine schwarz-grün-gelbe Jamaika-Koalition im Bund. Der Satz hallt seit Thüringen doppelt nach. So richtig Lindners Motto damals vielleicht in der Theorie war: Im praktischen Ergebnis lieferte er Deutschland erneut der bleiernen Koalition von Union und SPD aus und vergab die Chance, gegen die Hegemonie der Verbieter und nur-noch-Verteiler liberale Lichtungen in den Reformdschungel zu schlagen. Das war Lindners erster großer Fehler.

In Thüringen hätte Lindners Maxime mehr Überzeugungskraft gehabt: Lieber nicht regieren als von Höckes Gnaden! Doch Lindners Einfluss reichte nicht aus, seinem Frontmann Thomas Kemmerich die Dimension dieses Harakiri-Kurses zu verdeutlichen und ihn von der Kandidatur und der Annahme der Wahl zum Ministerpräsidenten abzuhalten. Erst nach dem öffentlichen Aufschrei und viel zerschlagenem Porzellan für die FDP konnte Lindner Kemmerich zum Rückzug zwingen. Viel Vertrauen wurde verspielt, Lindners zweiter Fehler. Dabei weiß der FDP-Chef, wie lebensbedrohlich für die Liberalen jedes Spielen mit dem rechten Rand sein kann. Die einstige Antisemitismus-Debatte um Jürgen Möllemann hätte Mahnung genug gewesen sein müssen.

Alexander.Weber@ovb.net

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