FDP-Debakel in Hamburg Versagen ja, aber kein Rechtsschwenk

FDP-Debakel in Hamburg. Versagen ja, aber kein Rechtsschwenk.

ALEXANDER WEBER

Selten folgte die Strafe des Wählers so schnell auf dem Fuße wie im Fall der FDP. Nur wenige Tage nach dem Desaster von Erfurt ereilte die Hamburger Liberalen mit dem Rauswurf aus der Bürgerschaft sogar die Höchststrafe. Nur: Bei der Ursachenforschung für die Wählerwatschn sollte man die Kirche im Dorf lassen. Die FDP ist unter Christian Lindner nicht zur Rechtsaußenpartei mutiert, die sich programmatisch ins politische Bett mit der Höcke-AfD legt. Wenn SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil im Siegesrausch der Hamburg-Wahl meint, die FDP sei keine Partei der Mitte mehr, dann zeigt das erstens, wie sehr sein Kompass bereits nach linksaußen verpolt ist, und zweitens, dass die Radikalisierung politischer Argumente weiter fortschreitet. In der FDP ist ein national-liberaler Flügel seit dem Möllemann-Debakel nicht mehr ernsthaft in Erscheinung getreten.

Nein, Erfurt war kein Rechtsschwenk, sondern eklatantes Führungsversagen von Parteichef Christian Lindner, gepaart mit Charakterversagen des FDP-Kandidaten Kemmerich, der wenigstens im Augenblick nach der Wahl hätte zu Verstand kommen und der Versuchung der Macht hätte widerstehen müssen. Kemmerich ist bald Geschichte. Lindner muss sich sehr anstrengen, um seinen zweiten folgenschweren Fehler vergessen zu machen.

Alexander.Weber@ovb.net

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