Familien brauchen mehr Unterstützung MARC BEYER Medizinischer Fortschritt ist ein Segen, aber frei von Schattenseiten ist er nicht.

Familien brauchen mehr Unterstützung. MARC BEYER.

Medizinischer Fortschritt ist ein Segen, aber frei von Schattenseiten ist er nicht.Im Fall der Bluttests auf Trisomien muss man dafür nur einen Blick über die Grenzen werfen. In Island, wo sie weit verbreitet sind, kommen kaum noch Kinder mit Down-Syndrom zur Welt. In Dänemark liegt die Abtreibungsquote nicht viel niedriger. Bei 98 Prozent.

So nachvollziehbar es ist, möglichst früh über die Gesundheit seines Kindes informiert sein zu wollen, so gravierend sind die Folgen. Man sollte sich da keiner Illusion hingeben: In einer Gesellschaft, die auf Selbstoptimierung und Makellosigkeit fixiert ist, bedeutet die Diagnose Down-Syndrom nicht nur die Aussicht auf Einschränkungen für die Familie, sondern in vielen Augen einen Malus. Das wirkt sich folgerichtig auf die Entscheidung aus.

Das Fatale am Bluttest ist, dass er am genauesten – und aussagekräftigsten – ausgerechnet bei Trisomie 21 ist, dem Down-Syndrom. Er erfasst vor allem jene Erbgutstörung, die ein weitgehend selbstständiges Leben bis ins Rentenalter erlaubt. In der aktuellen Debatte wird über die Erkrankten jedoch selten gesprochen. Es geht fast nur um das Umfeld.

Das hat viel damit zu tun, dass Angehörige zu oft auf sich gestellt sind. Inklusion ist eine Herausforderung. Wo schon die Ganztagsbetreuung eines gesunden Kindes den Staat vor Probleme stellt, ist die adäquate Unterstützung von Familien mit behinderten Kindern nahezu utopisch. Ebenso wichtig wie Klarheit für potenzielle Eltern wäre deshalb etwas ganz anderes. Beistand für solche, die sich tatsächlich für die Geburt entscheiden.

Marc.Beyer@ovb.net

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