Die falschen Reflexe

Zorn über Stuttgarts Polizei. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Aus den Rassismus-Vorwürfen gegen die Stuttgarter Polizei kann unser Land eine Menge lernen. Allerdings in diesem Fall nicht über Rassismus bei der Polizei, sondern über Aufregungswellen, Schnappatmung und unsaubere Berichterstattung. Sachstand: Der Polizeipräsident hat nicht von „Stammbaumforschung“ bei Tatverdächtigen der Juni-Krawalle gesprochen. Sondern davon, in Einzelfällen die Nationalität der Eltern abzufragen, wenn Angaben in der Vernehmung verweigert wurden.

Das ist dann nicht „Rassismus“, wie am lautesten die Linkspartei geifert, sondern stinknormale Polizeiarbeit. Ein Migrationshintergrund bei Heranwachsenden ist Teil des persönlichen Lebensumfelds, den Justiz und Behörden bei der Beurteilung von Straftaten und in der Präventionsarbeit berücksichtigen müssen.

Wo es Fehlentwicklungen gibt in deutschen Sicherheitsbehörden, wo sich Extreme und Extremisten tummeln dürfen – und, leider, das existiert! –, da müssen Gesellschaft und Staat alle Härte zeigen. Dieses Stuttgarter Beispiel scheint dazu aber nicht zu taugen. Die Polizei-Beschimpfung folgt eher den Reflexen aus der Debatte nach 2015, ob es nicht besser wäre, die Nationalität von Straftätern zu verschweigen. Schon damals unterlag mancher dem Irrglauben, wenn nur alle gleich fest die Augen zudrückten vor der Realität, dann ginge es politisch korrekt zu. Das war vielleicht verträumt, aber sicher nicht fair.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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