Der falsche Ankläger

Bolton-Vorwürfe gegen Trump. MIKE SCHIER.

Das Muster ist immer gleich. Ein Insider oder einer der vielen von Donald Trump geschassten Ex-Vertrauten packt aus: über offenbar chaotische Zustände im Weißen Haus, über den wankelmütigen, ja irrlichternden Präsidenten, der ohne Empathie und moralischen Kompass agiert. Deshalb darf sich jetzt niemand mehr über die Vorwürfe von John Bolton wundern. Sie passen ins Bild.

Und genau deshalb scheint es schwer vorstellbar, dass dieses Buch Trump wirklich entscheidend schadet – auch wenn der China-Vorwurf sicher besonders heikel ist. Peking gilt in Washington parteiübergreifend als neuer Hauptkonkurrent, um nicht zu sagen: -feind. Doch nichts hat Trump bislang nachhaltig beschädigen können, weder die Verbindungen nach Russland noch das Amtsenthebungsverfahren, sein Verständnis für weiße Rassisten oder sexuelle Eskapaden. Zudem ist der außenpolitische Falke Bolton, der gerne gegen den Iran in den Krieg gezogen wäre, auch moralisch nicht gerade der glaubwürdigste Ankläger. Er will vor allem sein Buch verkaufen.

Die Frage ist, ob die Summe aus all den Verfehlungen Trumps, aus all den Wutausbrüchen und Ungeheuerlichkeiten den gemäßigten Republikanern irgendwann zu viel wird. Bis November kann noch viel dazukommen.

Mike.Schier@ovb.net

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