Kommentar

Der Fall Jens Söring: Bizarre Bilder einer Haftentlassung

  • vonClaudia Muschiol
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Szenen wie diese sind bei uns eher selten: Dutzende Kameras und ein Blitzlichtgewitter erwarten einen verurteilten Doppelmörder nach seiner Haftentlassung. Wenn Mörder in Deutschland sonst ihre Haft beenden, ist die Ankunft im Alltag zumeist eine wesentlich einsamere.

Mörder haben keine Lobby. Jens Söring dagegen, deutscher Diplomatensohn, der wegen des Mordes an den Eltern seiner Ex-Freundin in den USA zu zwei Mal lebenslanger Haft verurteilt wurde und die letzten 33 Jahre im Gefängnis gesessen hat, wird am Frankfurter Flughafen gefeiert wie ein Popstar.

Jens Söring fällt weich

Die Kameras zeigen bizarre Bilder eines jubelnden Söring in den Armen seines zumeist weiblichen Helferkreises. Danach sein erstes Interview. Und es wird klar: Der Mann fällt weich. Seine Helfer haben vorgesorgt: Wohnung, Kleidung, Handy. Alles da. Der Urlaub gebucht.

Der spektakuläre Fall ist nach wie vor rätselhaft – und er polarisiert. Söring hat die Tat erst gestanden, dann das Geständnis widerrufen. Der ehemalige amerikanische Strafverteidiger spricht von einem „Mythos von Sörings Unschuld“.

Man wird von Jens Söring noch viel hören

Zweifelsohne wird man von Söring noch viel hören. Bücher hat er bereits in der Haft geschrieben, weitere werden sicher folgen. Und, dass er in den sozialen Medien präsent ist, auch dafür haben seine Helfer längst gesorgt.

Mail an die Autorin: Claudia.Muschiol@ovb.net

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