Meinung

Fahrplan aus dem Corona-Lockdown: Viel zu schwammig

-
+
-
  • vonSebastian Horsch
    schließen

Nun ist klar: Der Corona-Lockdown gilt bis mindestens 7. März, realistisch betrachtet wohl eher länger. Das ist bitter – nicht nur für Unternehmen und Selbstständige. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass ein großer Teil der Bevölkerung auch noch gar keine Öffnungen wollte.

Für nicht wenige ist das Virus konkret lebensbedrohlich – weil sie alt sind, oder krank. Sie fürchten, was die ansteckenderen Mutationen anrichten könnten, wenn zu früh gelockert wird. Sich einfach durch Isolation selbst zu schützen, ist eben schwierig, wenn schon die Pflege täglich ins Haus kommen muss. Und es sind ja nicht nur besonders Gefährdete. Auch viele Junge haben Angst vor gesundheitlichen Langzeitfolgen.

Ja selbst von Ökonomen kommen – Stichwort No Covid – vereinzelt Signale, nicht zu früh zu öffnen. Dass auch Angela Merkel und Markus Söder strikt dem vorsichtigen Kurs folgen, kann man natürlich trotzdem ideenlos finden. Doch es ist auch eine Entscheidung, die sich auf gute Argumente stützt und in großen Teilen der Bevölkerung Rückhalt findet.

Weitere Kommentare zu politischen und gesellschaftlichen Themen finden Sie hier.

Was aber gewaltig stört, ist das Gefühl, hingehalten zu werden. Zwar gibt es nun zumindest zarte Lockerungsperspektiven. Doch um sich größtmögliche Flexibilität zu bewahren, halten Merkel und die Länderchefs alles vage. Auch die neue Richtschnur 35 ist nicht verbindlich.

Wenn sie vielleicht irgendwann im März erreicht sein sollte, entscheiden die Länder, was sie wirklich öffnen, oder ob sie – wie von Söder schon angedeutet – die Inzidenz gerne noch tiefer drücken wollen. Und wie es danach weitergeht, darüber berät ein Arbeitskreis. Am Ende gilt das Beckenbauer-Prinzip: „Schau ma mal.“ Für Familien am Limit und Menschen, die um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, ist das viel zu schwammig.

Sebastian.Horsch@ovb.net

Mehr zum Thema

Kommentare