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EZB weitet Staatsanleihekäufe aus: Club Med reicht nun bis Russland

MARTIN PREM
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MARTIN PREM
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Manch Älterem geht die Zahl nicht leicht über die Lippen: 1,85 Billionen Euro. Auf diese Summe hat die EZB das Notkaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere ausgeweitet – um schlappe 500 Milliarden Euro.

Und es gibt kein Land mehr, das da mahnend den Zeigefinger hebt. Im Zug der Corona-Maßnahmen hat sich der Hochschuldenraum in der Eurozone kräftig vergrößert. Der Club Med reicht nun bis an die russische Grenze.

Die Mittel, die eine höhere Staatsverschuldung ermöglichen, werden nicht aus dem Nichts geschöpft. Jemand wird die Rechnung begleichen müssen. Zunächst nur die Sparer, die auf die nächste Zinsgutschrift wohl sehr lange warten müssen. Der geschaffene Finanzspielraum ist aber im Kern ein Vorschuss für wirtschaftliche Leistungen, die man künftigen Generationen abverlangt – denen man nebenbei die wirtschaftliche Perspektive raubt. Wir verfrühstücken gerade das Saatgut für die Ernte unserer Kinder.

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Besonders ärgerlich ist die deutsche Haltung: Schon in der Finanzkrise hat man einen angeblich letzten, kräftigen Schluck aus der Pulle genommen, um dann per Schuldenbremse lebenslange Abstinenz zu geloben. Die hielt doch nur bis zum nächsten Rückfall, der nun erneut der allerletzte sein soll. Schämt sich dafür denn gar keiner?

Martin.Prem@ovb.net

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