Exit aus dem Corona-Stillstand Sturz der Bündnisse in der Union

Exit aus dem Corona-Stillstand. Sturz der Bündnisse in der Union .

GEORG ANASTASIADIS

Mitten in der Corona-Krise leistet sich Deutschland eine Kanzlerin, einen Nebenkanzler und einen Gegenkanzler. „Jetzt nicht leichtsinnig sein“ und über Lockerungen der Kontaktsperren reden, verlangt Angela Merkel zu Ostern von ihren Bürgern. Ihr treu zur Seite steht Nebenkanzler Söder, der sich als Chefarchitekt der strengen Ausgangsbeschränkungspolitik und aktueller Umfragekönig wachsende Chancen auf Merkels Nachfolge ausrechnet – wenn ihm nicht der mächtige NRW-Chef Armin Laschet in die Parade fährt. Der wiederum sieht in der Corona-Politik die Chance, sein in der Asylkrise erworbenes Image als Merkels Schoßhund abzulegen. Fast täglich greift er im Stile eines Gegenkanzlers Merkels Autorität an, fordert Exitstrategien aus dem Stillstand des Landes und zündelt mit dem Satz, dass Denkverbote niemandem nützen. Man müsse, sagt er, „Hoffnung und Ausblick“ geben. Unterstützung erhält er von Merkels Gesundheitsminister Spahn.

Dass im Kampf um die künftige Kanzlerschaft einmal ausgerechnet ein Tandem Merkel/Söder gegen ein Duo Laschet/Spahn antreten würde, ist  eine bizarre Pointe der Geschichte – in der Flüchtlingskrise standen sich Söder und Merkel lange in bitterer Gegnerschaft gegenüber. Dasselbe gilt für die nun verbündeten NRW-Schwergewichte Laschet und Jens Spahn. In der Union ist es zum Sturz der Bündnisse gekommen.

Ob sich am Ende Laschet durchsetzt, der sich in der Corona-Krise als Stimme der Vernunft zu profilieren versucht, oder aber der strenge Antreiber Söder, ist noch längst nicht klar und dürfte vom weiteren Verlauf der Epidemie abhängen. Doch richtig ist: Beide führen die Debatte, die in einer freien Gesellschaft auch in einem Ausnahmezustand wie diesem geführt werden muss, wenn nicht am Ende die Demokratie auf der Intensivstation landen soll.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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