Europa hat versagt

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Das Drama von Lesbos. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Die rauchenden Trümmer von Moria zeigen drastisch das Versagen der europäischen Migrationspolitik. Zwei Extreme beherrschen die Flüchtlingsdebatte. Einerseits die leeren Lockrufe, am lautesten von Linken, Grünen, Liberalen, wie viele Menschen gleich jeder Herkunft doch bei uns wunderbar Platz hätten. In der Realität andererseits werden die Migranten in überfüllten, dreckstrotzenden Notunterkünften auf Lesbos kaserniert, eines stolzen, reichen Kontinents unwürdig – natürlich, um Wirtschaftsflüchtlinge ohne jede Chance auf Asyl abzuschrecken. Der richtige Mittelweg wäre eine harte Linie an der Außengrenze, aber menschenwürdige Unterkünfte und zügige Verfahren spätestens dort – doch das haben Europa und das von allen allein gelassene Griechenland versäumt, nein: wissentlich vertrödelt.

Jetzt ist es zu spät. Wer die Flammen von Lesbos sieht, ahnt: Keine demokratische Regierung kann die 12 000 Menschen obdachlos stehen lassen, nicht mal, wenn sie es selbst waren, die ihr Lager anzündeten und das Löschen behinderten. Europa wird viele auf dem Festland aufnehmen. Das ist ein Gebot unserer Werte. Gleichzeitig sendet dieser Schritt die langfristig fatale Botschaft, dass am effektivsten das Zerstören des eigenen Lagers zur Aufnahme führt, jenseits von Schutzbedürfnis und Asylrecht. Moria wird kein Einzelfall bleiben. Schon gar nicht, weil die radikalisierte Erdogan-Regierung in der Türkei viele Hebel in der Hand hält, um die Flüchtlingszahlen drastisch steigen zu lassen. Europa ist erpressbar. Die Staaten haben sich durch Wegsehen und Nichtstun in eine verheerende Zwangslage gebracht.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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