Die AfD und Europa Getarnter Radikalismus MARCUS MÄCKLER

Die AfD und Europa. Getarnter Radikalismus .

MARCUS MÄCKLER

Das vorerst letzte Wort behalten die nicht ganz so Radikalen. Ein EU-Austritt Deutschlands? Schon, aber nur als letzte Option. Migration nach Europa? Stark begrenzen, aber nicht ganz stoppen. Die AfD geht mit milderen Forderungen in den Europa-Wahlkampf, als es manchem an der Basis lieb sein wird. Viele Hardliner hätten einen „Dexit“ am liebsten schon in fünf Jahren gesehen – und die Migration nach Europa komplett gestoppt.

Die Beschlüsse auf dem Parteitag in Sachsen passen ins Bild, das die AfD – oder zumindest ihre Spitze – seit einiger Zeit von sich zeichnet. Man will moderater erscheinen und opfert dafür wahlweise Maximalforderungen oder Personal: Allzu Rechte werden politisch kaltgestellt (Doris von Sayn-Wittgenstein) oder treten freiwillig aus (André Poggenburg). Andere halten sich einfach zurück. Selbst der völkische Björn Höcke hat lange kein Naziverbrechen mehr relativiert. Die Partei versucht, ihren Radikalismus geschickter als bisher zu tarnen.

Ob das auf Dauer gelingt, ist eine andere Frage, denn in Sachsen war auch zu erleben, wie die AfD – in Europafragen – tatsächlich tickt. Ein Listenkandidat für die Wahl wünschte der EU, sie möge zugrunde gehen, ein anderer nannte sie das „Brüsseler Joch“. Deutlicher kommt die Verachtung für ein geeintes Europa nur noch in der Forderung zum Ausdruck, das EU-Parlament abzuschaffen. Die Demokratie-Experten von der AfD befinden, es sei zu undemokratisch. Vorher wollen sie sich aber doch noch hineinwählen lassen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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