Europa darf nicht nur zuschauen

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Proteste in Belarus. KATHRIN BRAUN.

Während ganz Europa auf Belarus blickt, gewöhnen sich die Frauen in Minsk immer mehr an Schlagstöcke und Festnahmen. Seit einem Monat protestieren Hunderttausende gegen Staatschef Alexander Lukaschenko. Und nur einen Tag, nachdem bei den Frauen-Protesten maskierte Uniformierte 87 Menschen in Gefängnisse gebracht haben, gehen die Aktivisten wieder auf die Straße.

Die brutalen Bilder zeigten schon einen Tag nach Lukaschenkos 80-Prozent-Resultat: Noch nie haben sich die Belarussen so sehr gegen den Machtapparat gewehrt. Aber wer hätte gedacht, dass die Proteste so lange anhalten? Dass so viele Bürger aus der Mitte die Angst vor ihrem Diktator verloren haben? Lukaschenkos Hoffnung, das Volk würde sich weiterhin von „Batka“, dem Väterchen (wie er jahrzehntelang genannt wurde) stillschweigend beherrschen lassen, dürfte sich erledigt haben. Denn mittlerweile ist klar: Die Demonstranten haben nicht vor, aufzuhören.

Jetzt gilt es, sie nicht alleine zu lassen. Dass die Kanzlerin sagt, ihr Herz schlage mit den Demonstranten, reicht nicht. Europa muss Druck ausüben – und zwar nicht auf einen Machthaber, der sich selbst kaum unters eigene Volk traut. Sondern auf seinen Beschützer: Solange Wladimir Putin Lukaschenko unterstützt, müssen die Frauen in Minsk gegen zwei Autokraten ankommen.

Redaktion@ovb.net

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