Europa braucht Solidarität

Hoffen auf den Sommerurlaub. MIKE SCHIER.

Endlich! Es war höchste Zeit, dass Angela Merkel und Emmanuel Macron wieder die gemeinsame Führung Europas in der Bewältigung der Corona-Krise übernehmen. Und mindestens ebenso dringlich war es, dass sich die EU-Staaten gemeinsam an Pläne machen, wie man im vereinten Europa wieder eine gewisse Reisefreiheit herstellt. Natürlich unter strengsten hygienischen Auflagen, aber mit einem gemeinsamen Maßstab. Der Kontinent ist viel zu sehr zusammengewachsen, als dass jedes Land dauerhaft sein eigenes Süppchen kochen kann.

Das gilt insbesondere für die anstehende Urlaubssaison. Am Ende dürfen nicht jene Länder den Wettbewerb um die wirtschaftlich oft existenziell wichtigen Touristen gewinnen, die den Gesundheitsschutz möglichst lax handhaben. Es muss fair zugehen! Für die EU geht es dabei um sehr, sehr viel: Italien, Spanien, Griechenland – überall hat das Bild der EU, aber auch das Bild Deutschlands gelitten. Man erwartet Solidarität. Nicht nur mit konkreten Hilfen, sondern auch mit etwas Symbolik, die gesundheitliche und wirtschaftliche Krise gemeinsam zu meistern. Als vereintes Europa. Von Ursula von der Leyen, sonst Meisterin der Inszenierung, ist da wenig zu hören.

Vorschläge wie der von Markus Söder, Urlaub in Deutschland mit Gutscheinen anzukurbeln, muten da eher kontraproduktiv an: ein schwieriges Signal an Europa, aber auch für die Hoteliers daheim nur bedingt hilfreich. Die leiden in aller Regel nicht an mangelnden Buchungen, sondern derzeit nur unter Schließungen und Auflagen. Sinnvoller wären also konkrete Hilfen zur Überbrückung kurzfristiger Notlagen oder staatliche Förderprogramme, um die Zeit für Modernisierung zu nutzen.

Mike.Schier@ovb.net

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