EU-Partner in Sorge Das Coronavirus stärkt Deutschlands Dominanz

EU-Partner in Sorge. Das Coronavirus stärkt Deutschlands Dominanz .

GEORG ANASTASIADIS

Für viele Bundesbürger fühlt sich die Zeit der Quarantäne furchtbar an: Kinder dürfen nicht zu ihren Freunden in die Schule, Selbstständige bangen um ihre Existenz, Großeltern sehen ihre Familie nicht mehr. Doch vom Ausland aus bietet sich ein anderer Blick auf Deutschland. Erstens: Die Kurzarbeit verhindert (noch) Massenarbeitslosigkeit. Zweitens: Das solide Gesundheitssystem sorgt für die weltweit geringste Corona-Sterblichkeit. Drittens: Die in Zeiten der schwarzen Null angelegten Finanzreserven erlauben es, einen Rettungsschirm aufzuspannen, um den uns die Welt beneidet; kein anderes Land, nicht mal die USA, stimuliert seine Wirtschaft mit Zuschüssen, Krediten und Bürgschaften so, wie es die Bundesregierung jetzt tut. Und viertens: Ein stabiles, föderal verfasstes politisches System sorgt dafür, dass sich die Kräfte ausbalancieren, und erlaubt die Umsetzung regional angepasster Strategien: Der Bayer Markus Söder, dessen Land vom Virus härter getroffen ist, sorgt für so viel Strenge wie nötig; NRW-Chef Laschet für so viel Lockerung wie möglich.

Die nach dem Krisengipfel von Söder abgegebene Prognose, das Land könne „gestärkt“ aus dieser Krise hervorgehen, ist deshalb mehr als das übliche Selbstlob von Politikern. Europa bewundert Deutschland – und fürchtet es zugleich. Denn die Hegemonialmacht könnte am Ende, so wie schon nach der Finanzkrise, noch dominanter auftreten als zuvor. Deutschland als das China Europas: für Paris und Rom ist das der Albtraum. Das ist der wahre Grund dafür, dass Frankreich und Italien mit aller Macht auf die Einführung von Coronabonds drängen. Nur eine Vergemeinschaftung der Schulden könnte Berlin zurück ins europäische Glied zwingen und seinen Aktionsradius limitieren. Auch in Deutschland gibt es, vor allem bei Grünen und SPD, den Vorwurf, Berlin handle nicht wie eine gütige Vormacht. Sondern wie ein Chefbuchhalter.

Schon klar: Europa muss in der Krise und darüber hinaus auf die deutsche Solidarität bauen können. Doch die Idee, dass man Europa stärke, wenn man den Starken schwäche, wiederholt nur die alten sozialistischen Denkfehler.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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