EU-Beitrittsgespräche Unglücklicher Zeitpunkt MIKE SCHIER

EU-Beitrittsgespräche. Unglücklicher Zeitpunkt .

MIKE SCHIER

Es ist ein Durchbruch nach langem Streit – aber doch zum falschen Zeitpunkt. Ausgerechnet jetzt, da die gesundheitliche wie ökonomische Corona-Krise die Europäische Union voll im Griff hat, einigten sich die Mitgliedstaaten darauf, EU-Beitrittsgespräche mit Nordmazedonien und Albanien aufzunehmen. Die Botschaft, die bei den angespannten Bürgern ankommt, ist klar: Während wir alle im Ausnahmezustand versinken, kümmert ihr euch um ferne Zukunftsprobleme am Rande Europas.

Das unglückliche Vorgehen rückt ein Vorhaben in ein schlechtes Licht, das eigentlich richtig ist. Längst streiten sich im Südosten Europas die Großmächte darum, wer seine Einflusssphäre ausweiten darf. Chinesen, Russen, Türken, selbst die Saudis sind am Balkan sehr aktiv – mit wirtschaftlichen, aber auch religiösen Motiven.

Deshalb tut die EU gut daran, vor ihrer Haustür ihre eigenen Interessen engagierter zu vertreten. Gespräche aufzunehmen, heißt ja nicht, dass der EU-Beitritt unmittelbar bevorsteht. Aber der auf Jahre angelegte Prozess erleichtert es den Regierenden, Reformen einzuleiten, die Wirtschaft zu stärken, Korruption und organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Alles andere ist nicht in europäischem, nicht in deutschem Interesse.

Mike.Schier@ovb.net

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