Meinung

Neues Klimaziel der EU: Etwas Grund zum Optimismus

-
+
-

Corona hat Gewissheiten über Bord geworfen und andere geschaffen. Zu letzteren gehört die Einsicht, dass es überlebenswichtig sein kann, der Wissenschaft zuzuhören. In der Klimakrise ist das viel zu lange versäumt worden.

Die gute Nachricht: Die großen CO2-Produzenten scheinen ihre Trägheit langsam zu überwinden. Die USA kehren zum Pariser Abkommen zurück, China hat sich zur Treibhausgas-Reduktion bekannt. Und die EU hat ihre Ziele bis 2030 verschärft: 55 Prozent weniger CO2-Ausstoß als 1990. Das ist noch immer weit von den Empfehlungen der Wissenschaft entfernt. Aber immerhin zeichnet Brüssel einen Weg vor, der alle mitnimmt: Klima-Musterschüler wie Schweden und Kohle-Jünger wie Polen.

Sicher, der Kompromiss hat Mängel. Manche kritisieren etwa, die EU rechne sich ihre Ziele schön, weil Staaten auch den CO2-mindernden Effekt von Aufforstung und neuen Technologien in ihre Bilanz einrechnen dürfen und unterm Strich vielleicht gar nicht so viele Emissionen einsparen.

Wahr ist aber auch: Ohne den Einsatz neuer Methoden, CO2 aus der Luft zu ziehen, wird es kaum gehen, das sieht selbst der Weltklimarat inzwischen so. Die EU ist an dieser Stelle einfach realistisch. Die 20er-Jahre werden entscheidend für die Frage sein, ob wir die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß begrenzen können. Man mag das 55-Prozent-Ziel für zu wenig halten, aber der Weg und die Perspektive stimmen. Das ist mehr, als man noch vor einigen Jahren hätte vermuten können. Bei allen Schreckensszenarien ist das ein Grund zum Optimismus.

Marcus.Maeckler@ovb.net

Kommentare