Eskalation im Iran-Konflikt Trumps riskante Spontantat

Eskalation im Iran-Konflikt. Trumps riskante Spontantat .

MARCUS MÄCKLER

Es war einer seiner Wahlkampfschlager: Donald Trump versprach, US-Soldaten heimzuholen und löste das Versprechen kürzlich sogar ein – indem er Truppen aus Syrien abzog. Nun könnte es sein, dass ausgerechnet er, der Möchtegern-Friedensprophet, einen neuen Krieg provoziert hat. Die gezielte Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani übersteigt jedenfalls alle Scharmützel und Zwischenfälle, die das angespannte Verhältnis der USA zum Iran seit Monaten prägen.

Richtig: Das Mullah-Regime hat lange gezündelt, rote Linien der Amerikaner ausgetestet, und das Sündenregister des Generals ist lang – von der Unterstützung der Hisbollah bis zu den Umtrieben in Assads Syrien. Trotzdem ist seine Tötung hoch riskant, mehr Trumpsche Spontantat als Zeichen einer durchdachten Iran-Strategie. Es ist nicht lange her, dass Trump seinen Sicherheitsberater John Bolton opferte, weil der offen für eine Konfrontation mit Teheran warb. Die bewusste Eskalation jetzt ist wohl beides: der späte Versuch, rote Linien doch noch durchzusetzen. Und ein Entlastungsangriff, um sich innenpolitisch Luft zu verschaffen. Trump steckt in einem Impeachment-Verfahren, mitten im Wahljahr. Jetzt tut er offenbar, was er Obama einst unterstellte: einen Krieg mit dem Iran zu beginnen, um wiedergewählt zu werden.

Obama, der es mit roten Linien auch in Syrien nicht so genau nahm, scheute die Konsequenzen. Sein Nachfolger, der den Weltpolizisten USA doch abschaffen wollte, wird nun für alles, was kommt, eine Mitverantwortung haben. Die Mullahs werden es nicht bei Nadelstichen belassen, sondern danach trachten, den USA massiv zu schaden – oder ihren Verbündeten. Israel ist zu Recht besorgt.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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