Kommentar

Es geht um Macht, nicht Humanität: Türkei provoziert wieder

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ALEXANDER WEBER

Der türkische Präsident Erdogan hat seinen Machiavelli nicht nur gelesen, sondern auch verinnerlicht. Die Kunst der Täuschung gehört für den Sultan vom Bosporus deshalb zum Regierungshandwerk dazu.

Neuestes Beispiel: Die Ausweitung türkischer „Dienstleistungen“ gegenüber in Seenot Geratenen (gemeint sind Flüchtlinge) im Mittelmeer. Ginge es Erdogan tatsächlich um Humanität im Kampf gegen den massenhaften Tod auf See, wäre es für ihn doch ein Leichtes, die mit Migranten vollgestopften Boote erst gar nicht von seiner Küste in Richtung Griechenland aufbrechen zu lassen. Nein, Erdogan geht es in Wirklichkeit um die Ausdehnung seiner Macht- und Einfluss-Sphäre in der Ägäis.

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Politik der ständigen Provokationen

Der Türke setzt alle Hebel in Bewegung, die türkische Präsenz in diesem Teil des Mittelmeers auszuweiten, um seinen – international nicht anerkannten – Anspruch auf die Gasvorkommen und damit Milliarden Dollar unter dem Meeresboden zu untermauern. Natürlich hat der Autokrat in Ankara die bisher uneinheitliche und zögerliche Haltung der Europäischen Union (vor allem der Deutschen) genau analysiert und fühlt sich in seiner Politik der ständigen Provokationen bestätigt. Wie lange wollen Brüssel und Berlin ihn noch gewähren lassen?

Alexander.Weber@ovb.net

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