Meinung

Zahlungsmoral im Mittelstand sinkt: Es droht ein Dominoeffekt

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Immer mehr kleine und mittelständische Betriebe geraten durch erzwungene Schließungsmaßnahmen im Zuge der Corona-Bekämpfung in Finanznöte. Das hat nicht nur böse Folgen für die Inhaber selbst, sondern auch für deren Zulieferer.

Mittlerweile bezahlen zehn Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen zu spät – oder gar nicht. Eine Wartezeit von im Schnitt 35 Tagen auf Bargeld kann verdammt lang sein – vor allem, wenn es sich nicht um einen säumigen Schuldner handelt, sondern um viele.

Die Liquiditätsengpässe der einen erhöhen die Insolvenzgefahr bei den anderen, denn die Eigenkapitaldecken sind nach einem Jahr Pandemie dünn geworden. Dass die Politik versucht, die Lage zu entspannen, indem bestimmte Insolvenzmeldepflichten – nun sogar bis April – ausgesetzt wurden, ist daher eine zweischneidige Sache.

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Die Tatsache, dass im Corona-Jahr weniger Pleiten registriert wurden als in den Vorjahren, ist Vorzeichen für eine Insolvenzwelle, die unweigerlich rollt, wenn die alten Regelungen wieder gelten. Zwar beschränken sich die Ausnahmen auf Unternehmen, die wegen noch nicht eingetroffener staatlicher Corona-Hilfen in Schieflage geraten sind. Doch das sieht ein Lieferant einem potenziellen Kunden nicht an. Die beste Lösung wäre, wenn die durch unsägliche Software-Pannen verspäteten November- und Dezember-Hilfen nun endlich zügig fließen. Nur so kann ein fataler Dominoeffekt verhindert werden – und unter Geschäftspartnern wieder Vertrauen einziehen.

Corinna.Maier@ovb.net

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