Es braucht Wille und Mut

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Post-Brexit-Gespräche. ALEXANDER WEBER.

Zehn Monate haben die Post-Brexit-Verhandler von EU und Großbritannien – bei ständiger diplomatisch-höflicher Schuldzuweisung an die jeweils andere Seite – Zeit verrinnen lassen, ohne in den wichtigsten Kernbereichen des Streits echte Fortschritte zu erzielen. Jetzt sollen die jeweiligen Chefs, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Premierminister Johnson, in einem persönlichen Treffen in Brüssel den Versuch unternehmen, die zementierten Positionen aufzuweichen. Eins ist klar: Neue Argumente in der Sache tauchen nicht mehr auf. Oder erwartet jemand, dass die reichen Kabeljaubestände vor Britanniens Küste plötzlich Lust auf Revierwechsel in südlichere Gefilde verspüren?

Was bisher gefehlt hat, ist allein der politische Wille auf beiden Seiten, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Der braucht vor allem eins: Mut. Und selbst wenn ein solcher mutiger Kompromiss jetzt gefunden wird, braucht die parlamentarische Ratifizierung ohne heiße Nadel mehr Zeit, als dieses Jahr noch Tage hat. Der Vorstoß aus dem Europaparlament, notfalls bis Ende Januar weiterzuarbeiten, ist deshalb vernünftig. Und viel vernünftiger, als das ohnehin problembeladene neue Jahr mit einem unentschuldbaren Rohrkrepierer zu beginnen.

Alexander.Weber@ovb.net

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