Erzbistum sucht Verantwortliche Transparenz muss erst bewiesen werden

Erzbistum sucht Verantwortliche. Transparenz muss erst bewiesen werden .

CLAUDIA MÖLLERS

Ob die Gretchenfrage im Erzbistum München und Freising je beantwortet wird? Welcher Kardinal, welcher Generalvikar, welcher Personalchef hat seit 1945 Missbrauchsfälle durch Geistliche vertuscht? Zumindest will das Ordinariat die Missbrauchsfälle seit 1945 durchforsten lassen mit dem Ziel, Verantwortliche zu benennen.

Zehn Jahre, nachdem in einem ersten Gutachten eine Münchner Kanzlei die Akten nach Tätern durchsucht hatte, soll nun geprüft werden, welche Fälle (von wem) unter den Tisch gekehrt wurden. Dabei geraten auch prominente Kirchenfürsten in den Fokus: Julius Döpfner, Friedrich Wetter, Reinhard Marx – und Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Benedikt XVI. Ob handfeste Beweise ans Licht kommen, steht in den Sternen. Bereits 2010 hieß es, dass viele Akten vernichtet wurden. Ob es im zweiten Durchgang erhellende Informationen gibt, bleibt fraglich.

Das Erzbistum verspricht Transparenz. Doch es bleiben Zweifel. Schließlich wurde dieselbe Kanzlei beauftragt, die bereits 2010 das Gutachten erstellte. Jene Kanzlei, die am 12. März einen Bericht übers Erzbistum Köln vorlegen wird. Und die im Münchner Erzbistum viele juristische Aufträge erhält. Wie unabhängig sind Gutachter, die so eng mit der Kirche verknüpft sind? Opfer werden nicht gehört. Transparenz, die nur auf Aktenlage beruht, ist dürftig. Womöglich sind alle Spuren längst verwischt.

Claudia.Moellers@ovb.net

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