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Corona-Impfstoff: Erster Schritt in einen Bergsprint

SEBASTIAN HORSCH
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SEBASTIAN HORSCH
  • vonSebastian Horsch
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Während die Corona-Infektionszahlen weiter viel zu hoch sind, schlagen fast täglich neue Erfolgsmeldungen aus der Pharma-Branche ein.

Der rasend schnelle Fortschritt der Forscher ist längst mehr als ein Silberstreif am Horizont. Gestern haben Biontech und Pfizer die US-Zulassung beantragt. Andere Projekte sind ebenfalls auf einem guten Weg. Ein Impfstoff scheint greifbar nah.

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Das sind sehr gute Nachrichten. Und doch ist ein einsetzbares Vakzin alleine noch nicht die Erlösung, sondern vielmehr der Startschuss in einen Bergsprint, den Staat und Gesellschaft voraussichtlich im kommenden Jahr vollbringen müssen. Da ist zum einen der logistische Kraftakt, ein Land Schritt für Schritt durchzuimpfen. Die Dosen müssen verteilt, gelagert und gekühlt werden. Zudem braucht es nicht nur Hunderte von Impfzentren und viele Millionen Spritzen und Kanülen, sondern auch Personal, das die Injektionen vornimmt. Etwa 15 Minuten sind für jede Impfung eingeplant. Die Organisation ist eine Herkulesaufgabe. Es bleibt nicht die einzige.

Erst wenn knapp zwei Drittel der Bürger geschützt sind, kann eine Herdenimmunität erreicht werden. Zuletzt gaben allerdings nur 37 Prozent an, sich auf jeden Fall impfen lassen zu wollen. Es wird Berichte von Nebenwirkungen geben – echte vermutlich und erfundene ganz sicher. Und man muss auch nicht an Verschwörungen glauben, um eine Impfung mit einem im Eilverfahren erschaffenen Stoff nicht geheuer zu finden. Die größte Herausforderung für den Staat wird also darin liegen, glaubwürdig Vertrauen herzustellen und zu erhalten.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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