Erste Lockerungen bei Corona Ein echter Kompromiss

Erste Lockerungen bei Corona. Ein echter Kompromiss .

MIKE SCHIER

Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge: Die Gefahr der Pandemie ist noch lange nicht gebannt, dennoch leiden immer mehr Menschen unter den Einschränkungen. Nicht zuletzt sorgen sich tausende Unternehmen und damit Millionen Arbeitnehmer und Selbstständige um ihre Existenz. Dazu kamen sich widersprechende Experten, unterschiedliche regionale Betroffenheit und politische Befindlichkeiten. Unter all diesen widrigen Voraussetzungen haben die Ministerpräsidenten mit Angela Merkel nach zähem Ringen einen guten Kompromiss gefunden. Eine bundesweite Linie, die regional modifiziert wird.

Bislang hat Deutschland die Pandemie trotz hoher Fallzahlen insgesamt gut bewältigt – nicht zuletzt weil Staat und Gesundheitswesen wesentlich besser funktionieren, als viele Dauernörgler meinen. Nur deshalb konnte man die Ausgangsbeschränkungen flexibler handhaben als in Italien oder Spanien. Und deshalb war es jetzt an der Zeit, einen mittelfristigen (!) Fahrplan in die neue Normalität aufzustellen. Der sich sträubende Markus Söder hat sich in dieser Frage ebenso bewegen müssen wie Armin Laschet, dem es mit den Öffnungen nicht schnell genug gehen konnte. Deshalb sollte man mit Begriffen wie Siegern oder Verlierern besser vorsichtig sein.

Es ist das Wesen eines echten Kompromisses, dass am Ende nicht alle zufrieden sind. Manch einer hätte sich eine Masken-Pflicht wie in Österreich gewünscht, andere eine raschere Schulöffnung. Doch dass in Deutschland sachlich und jenseits der Parteilinien (man beachte das ungewöhnliche Bündnis Merkel, Söder, Kretschmann, Hans und Tschentscher) diskutiert werden kann, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. Gerade, wenn man den Trumps dieser Welt beim Irrlichtern zusieht. Doch zur Wahrheit gehört auch: In dieser Krise fahren alle nur auf Sicht. Sollten die Coronazahlen wieder ansteigen, müssen die Lockerungen womöglich ausgesetzt werden.

Mike.Schier@ovb.net

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