Meinung

Proteste in den Niederlanden gegen den Corona-Lockdown: Ergebnis der Inkonsequenz

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Politische Proteste oder kriminelle Gewalt? Wie überall bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen mischen sich auch in den Niederlanden unterschiedliche Strömungen zu einer explosiven Wut auf den Staat. Vor einem solchen Ausbruch ist in der Pandemie kein Land gefeit. Doch diese Eskalation der Lage ist auch das Ergebnis einer inkonsequenten Pandemie-Politik.

So erwog Premier Mark Rutte anfangs das Konzept der Herdenimmunität, ruderte dann zurück zu einem angeblich „intelligenten Lockdown“ mit wenigen Einschränkungen. Er setzte auf Empfehlungen und Eigenverantwortung. Maskenpflicht in Geschäften? Fehlanzeige. Das galt als Liberalität. Sogar das Königspaar fuhr entgegen der Empfehlungen nach Griechenland. Umso schwieriger war das Umschwenken im Dezember, im Januar folgte die erste Ausgangssperre seit dem Krieg. Das war in kurzer Zeit eine Verschärfung von fast null auf 100.

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Rechtspopulisten nutzen die Unzufriedenheit für sich, Corona-Leugner sprechen von einer „Virologen-Junta“. Ohnehin ist das Vertrauen in die Regierung gering, die gerade wegen einer Affäre zurücktrat. Deutschland kann daraus lernen, dass abrupte Kehrtwenden die Akzeptanz verringern. Natürlich können neue wissenschaftliche Erkenntnisse immer ein Umdenken erfordern. Das aber muss überzeugend vermittelt werden. Und wer Leichtsinn als „Freiheit“ umdeutet, beschreitet gerade in Zeiten sich ausbreitender Mutationen einen gefährlichen Pfad.

Politik@ovb.net

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