Entzauberung von FPÖ und AfD? Rettungsanker für Rechtspopulisten

Entzauberung von FPÖ und AfD? Rettungsanker für Rechtspopulisten .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Was für ein Missverständnis! Noch immer speisen sich die radikalen Rechtspopulisten im deutschsprachigen Raum von der Sehnsucht vieler Wähler nach zutiefst bürgerlichen Kräften. Das Produkt sind dann Figuren wie Österreichs Ex-Vizekanzler Strache, die unbürgerlicher nicht sein könnten. Jetzt liegen der Justiz über ihn Fotos vor wie aus dem Drogenmilieu, Sporttaschen prallvoll mit Bargeldbündeln vor der FPÖ-Parteizentrale, Berichte über massenhaften Missbrauch von Steuergeld für Privatausgaben – und Pläne zum Rückzug mit Waffen und Gold in ein Bergtal für den Fall einer Nato-Invasion Österreichs. Es sind Geschichten, die nicht mehr nur am Staatsverständnis, sondern am Geisteszustand einer ganzen Parteielite zweifeln lassen.

Nicht das Ausmaß, aber Teile solcher Denkmuster lassen sich auch in der AfD erkennen (zum Beispiel Abgeordnete, die sich Fraktionsgeld für Bonsai-Pöstchen zuschieben). Eigentlich müssten sich vermeintliche „Alternativen“ damit in Rekordzeit entzaubern – das ist Bananenrepublik, nicht Bürgerlichkeit. Dem wirken ausgerechnet die etablierten Parteien entgegen: Mit unerschöpflicher Kraft schieben sie den radikal Rechten nach dem Desaster der Migrationspolitik neue Themen zu. Kleine Auswahl: die sparerfeindlichen Scholz-Steuervorschläge, die überzogene Klima-Debatte, Bürokratiewahn oder die Erhöhung der Rundfunkbeiträge (wo die FDP zum Glück wenigstens die Indexierung stoppte). Genau dieses Gegurke ist ein Rettungsanker für Rechtspopulisten.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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