Enttäuschung über Papst-Papier Alles bleibt beim Alten

Enttäuschung über Papst-Papier. Alles bleibt beim Alten .

CLAUDIA MÖLLERS

Reformen in der katholischen Kirche sind – wenn überhaupt – auf die lange Bank geschoben. Wenn es gestern noch Katholiken gab, die unerschütterlich daran glauben wollten, dass Papst Franziskus für eine Erneuerung der Kirche steht, dann sind sie seit 12 Uhr eines Besseren belehrt. Der Papst, dessen Wahl vor fast sieben Jahren mit großen Hoffnungen auf eine Modernisierung der Kirche verknüpft war, hat die reformwilligen Katholiken bitter enttäuscht.

Die konservativen Kräfte in der katholischen Kirche hingegen jubeln: Keine Aufweichung des Pflicht-Zölibats. Keine Diakonenweihe für Frauen. Alles bleibt beim Alten. Auf den 50 Seiten finden sich zwar aufmunternde Gedanken, an kreativen Lösungen für das Problem des Priestermangels zu arbeiten. Doch das ist nicht mehr als beschwichtigende Rhetorik. Die Weihe von Frauen abzulehnen mit dem Hinweis, dies würde auf eine Klerikalisierung der Frauen hinlenken, ist schon ein herber Schlag. Auch für den „Synodalen Weg“ in Deutschland ist dieses Schreiben ein schmerzlicher Dämpfer. Und so erhält der Rückzug von Kardinal Reinhard Marx von der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz am Tag zuvor eine zusätzliche Deutung: Unter diesen Vorzeichen ist es dem Münchner Erzbischof gar nicht möglich, einen ernst zu nehmenden Reformprozess in Deutschland voranzutreiben. Die besorgniserregende Austrittswelle aus der katholischen Kirche wird einen kräftigen Schub erhalten.

Claudia.Moellers@ovb.net

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