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Verlängerung des Lockdowns: Entscheidung ohne Datengrundlage

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Nähme man die offiziellen Zahlen als Grundlage, wäre der Lockdown in München ein herausragender Erfolg: Am 20. Dezember lag der Inzidenzwert bei 300, bis Montag hatte er sich auf 133 mehr als halbiert. Der Haken: Wegen der Feiertage und Wochenenden ist die Datenlage mehr als unsicher.

Arztpraxen blieben geschlossen, Labore untersuchten weniger Proben, Ämter übermittelten zumindest tageweise keine Daten ans Robert-Koch-Institut. Mit anderen Worten: Keiner kann seriös bilanzieren, welche Auswirkungen der massiv in die Freiheitsrechte eingreifende Lockdown hat. Sehr unbefriedigend!

Vor dem heutigen Treffen der Ministerpräsidenten fehlt schlichtweg die Beratungsgrundlage. Massive Verschärfungen, wie sie der Thüringer Linken-Ministerpräsident Ramelow mit einer Einschränkung des Bewegungsradius erträumt, lassen sich so jedenfalls nicht rechtfertigen. Im Gegenteil: Eigentlich müsste man bei einer Inzidenz von 133 in München die Ausgangssperre ab 21 Uhr beenden, die Markus Söder bei 200 über ganz Bayern verhängt hatte. Wird aber nicht geschehen, weil die echten Zahlen höher liegen. Kurios: Die Maßnahmen gehen in die Verlängerung – weil sie nicht den gewünschten Erfolg bringen.

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Um nicht missverstanden zu werden: Die Rat- und Hilflosigkeit im Kampf gegen Corona eint alle Demokratien. Echte Hilfe bringen nur Impfstoffe. Das dauert. Deshalb ist es schon bösartig, wenn Söder nun suggeriert, schon die jetzige Lockdown-Verlängerung sei auf Versäumnisse bei der Impfstoffbeschaffung zurückzuführen. Mittelfristig heißt der Arbeitsauftrag an Politiker aber: möglichst bald aufsperren statt möglichst lange zusperren.

Mike.Schier@ovb.net

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