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SPD vor der Entscheidung: Auf dem ewigen Irrweg nach links

  • Mike Schier
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SPD vor der Entscheidung. Auf dem ewigen Irrweg nach links .

Wahlen, da waren sich einst alle einig, werden in der Mitte gewonnen. Gerhard Schröder besetzte unter dieser Prämisse für die SPD das Kanzleramt. Nachfolgerin Angela Merkel rückte die CDU sogar so weit ins Zentrum, dass rechts die AfD Platz fand. Ihre Strategie: Wer die ganze Mitte besetzt, hat ein Dauerabo aufs Kanzleramt. Ganz nebenbei drängte sie die SPD immer weiter nach links. Und am Wochenende entscheidet sich nun, ob sich die Genossen selbst noch als Kraft der Mitte definieren. Denn mit dem Duo Walter-Borjans/Esken würde sich die Partei endgültig am linken Rand ansiedeln.

Es wäre ein Fehler, den Sozialdemokraten überall auf der Welt begehen. In Großbritannien kann Jeremy Corbyn mit seinen Extrempositionen nicht mal Politrüpel Boris Johnson gefährlich werden. In den USA verschrecken Sozialisten wie Bernie Sanders Wähler der Mitte, die zu viel staatliche Einmischung ablehnen. Und in Deutschland propagiert die SPD seit den Agenda-Jahren, man müsse sich auf alte Werte besinnen. Doch mit jeder Besinnung gingen ein paar Prozent mehr verloren. Besonders laut kam der Ruf übrigens aus Bayern, wo die 9-Prozent-SPD offenbar nach den drei Prozent der Linkspartei schielt.

Tatsächlich haben der SPD ihre nicht enden wollenden Strategiedebatten nur geschadet. Einer mit sich hadernden Partei, der das Selbstbewusstsein fehlt, traut auch keiner zu, den Kanzler zu stellen. Dabei zeigt das kurze Aufflackern zu Beginn des Wahlkampfs von Martin Schulz, welch Potenzial vorhanden wäre. Dazu bräuchte man jedoch – jenseits aller Inhalte – charismatische Parteichefs. Und die standen diesmal wieder nicht zur Wahl.

Mike.Schier@ovb.net

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