Endlich ein Anstoß

Wehrpflicht: Pro. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Hoppla: Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl mag völlig fachfremd sein, ängstlich ist sie nicht. Mit dem Vorstoß zur Wehrpflicht geht die SPD-Politikerin in die Vollen. Selbst viele Konservative trauen sich bisher nur, mit Ideen zu Dienst- angeboten oder sozialen Wochen sanft um das Thema herumzunuscheln. Dabei ist die Wahrheit schlicht: Das Aus der Wehrpflicht war ein verheerender Fehler eines CSU-Ministers, gesellschaftlich mehr noch als militärisch.

Die Bundeswehr ist seither noch stärker von der Gesellschaft abgekoppelt, ein Fremdkörper im Land. Fachlich ist sie nach dem Auf und Ab von Sparwellen und Beschaffungs-Missmanagement dem Spott ausgesetzt, jederzeit von Luxemburg überrannt werden zu können, und in der Öffentlichkeit nur geduldet, wenn sie Sandsäcke schleppt oder Coronatests abnimmt. Das ist keine Entschuldigung für rechtsextreme Auswüchse, die gab es mit Wehrpflicht auch. Besseren, stabilen Nachwuchs auch aus der Mitte der Gesellschaft rekrutieren zu können, fällt der halbtot geschrumpften Bundeswehr aber nun viel schwerer.

Högls Vorstoß ist wertvoll, auch weil er mit der Erklärung bricht, ein Staat könne eh keine Wehrgerechtigkeit mehr herstellen. Natürlich kann eine Rückkehr zu einem mehrmonatigen Pflichtdienst in militärischen, zivilen und ökologischen Einheiten für unser Land ein Riesengewinn sein. Es wäre auch für jeden Senkspreizfüßigen und Kurzsichtigen ein Platz da, um sich in unsere Gesellschaft einzubringen. Ein Dienst, wenn er sinnvoll organisiert ist, bereichert jede Vita. Högl wird viel Kritik ernten für ihre unpopuläre Forderung, aber sie liefert damit einen richtigen und wichtigen Anstoß.

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Christian.Deutschlaender@ovb.net

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