Meinung

Die USA unter dem neuen Präsidenten Joe Biden: Ende eines Albtraums

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Wohl noch nie haben die USA derart angespannt die Amtseinführung eines neuen Präsidenten erwartet. Zu diesem Hochamt der Demokratie gleicht Washington einer Hochsicherheitszone wie zuletzt nach dem 11. September 2001. Diesmal kommt der Feind aus dem tiefsten Inneren dieser stolzen Nation.

Die Sorge ist groß, dass es heute erneut zu gewaltsamen Szenen kommt – im Namen des ausscheidenden US-Präsidenten, dem nun nach dem Ausscheiden noch die Amtsenthebung droht. Je mehr die Behörden über den jüngsten Sturm auf das Kapitol in Erfahrung bringen, desto klarer wird, dass dem Land ein substanzielles rechtes Terror-Problem droht.

Politisch endet für die USA (und die westliche Welt) heute ein vier Jahre währender Albtraum. Doch wie immer, wenn man schweißgebadet erwacht, werden vor allem die letzten Szenen noch eine Weile nachwirken. Man darf hoffen, dass Donald Trump in den letzten Tagen seiner Amtszeit die eigene Marke dauerhaft zerstört hat. Doch er hinterlässt eine große Wählerschaft, die das Wahlergebnis für gefälscht hält und die Politik im Allgemeinen, aber die Demokraten im Besondern verachtet. Aufgestachelt von radikalen Scharfmachern im Netz, gegen die selbst Fox News harmlos wirkt, werden sie jeden Schritt der neuen Administration feindselig beäugen.

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Immerhin: Der moderate, erfahrene und ausgleichende Joe Biden ist vielleicht der richtige Mann für diesen Moment. Ein Anti-Trump. Er verfügt über Mehrheiten in beiden Kammern und könnte dort jenen Republikanern die Hand reichen, die über die Trump-Hörigkeit der eigenen Partei erschrocken sind. Das funktioniert aber nur, wenn Biden zugleich der nach links driftenden urbanen Basis in der eigenen Partei Einhalt gebietet. Eine gigantische Aufgabe. Die Welt sollte ihm viel Glück wünschen.

Mike.Schier@ovb.net

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